Wir haben für Sie Steuertipps für Ihre Einkommensteuererklärung 2019 zusammengestellt. Wenn Sie zu den genannten Punkten weitere Informationen benötigen, vereinbaren Sie gerne einen Beratungstermin mit uns.
Wir freuen uns auf Sie!
Steuertipps:
1. Werbungskosten
Bei Einnahmen aus nichtselbständiger Tätigkeit wird Ihnen ein Arbeitnehmer-Pauschbetrag in Höhe von EUR 1.000 pro Jahr als Werbungskosten gewährt. Haben Sie tatsächlich höhere Ausgaben, werden diese berücksichtigt. Sobald Sie die EUR 1.000 überschreiten, wirkt sich grundsätzlich jeder zusätzliche Euro steuermindernd aus.
Es gibt viele Punkte, die als Werbungskosten zu berücksichtigen sind. Auf Folgende möchten wir besonders hinweisen:
Wenn Sie mit einem privaten Pkw zur Arbeit fahren, überschreiten Sie die Grenze von EUR 1.000 schon dann, wenn Sie an 225 Tagen im Jahr arbeiten und täglich eine einfache Strecke von 15km zu Ihrer ersten Tätigkeitsstätte zurücklegen. Diese Regelung kann auch auf öffentliche Verkehrsmittel übertragen werden.
Beträgt die Abwesenheit von Ihrer ersten Tätigkeitsstätte an bestimmten Tagen mehr als 8 Stunden, können Verpflegungsmehraufwendungen geltend gemacht werden. Werden Ihnen die Aufwendungen nicht von Ihrem Arbeitgeber steuerfrei erstattet, können die Aufwendungen als Werbungskosten angesetzt werden.
Sie haben an einer Fortbildung teilgenommen und die Kosten wurden nicht durch Ihren Arbeitgeber erstattet? Auch diese Kosten können Sie als Werbungskosten absetzen.
Auf folgende Punkte, die ebenfalls unter die Werbungskosten fallen, gehen wir separat in diesem Beitrag ein:
• Umzugskosten
• Doppelte Haushaltsführung
• Winterbeschäftigungsumlage
• Studienkosten
2. Umzugskosten
Wer aus beruflichen Gründen den Wohnort wechselt, kann Ausgaben für den Umzug als Werbungskosten geltend machen. Private Umzüge können eventuell als haushaltsnahe Dienstleistungen berücksichtigt werden.
Beruflich bedingt ist ein Wohnortwechsel dann, wenn für den Hin- und Rückweg zur Arbeit jeweils eine halbe Stunde Zeit eingespart wird. Auf die zurückgelegte Wegstrecke kommt es nicht an.
Im Rahmen von Umzugskosten können teilweise Pauschalen berücksichtigt werden. Für alle weiteren Kosten sind Einzelnachweise erforderlich.
Die folgenden Pauschalen sind für „sonstige Umzugskosten“ anzusetzen:
Umzug | Pauschale Verheiratete | Pauschale Ledige | Erhöhung für jede weitere Person | |
---|---|---|---|---|
01.03.2018 - 31.03.2019 | 1.573 € | 787 € | 347 € | |
01.04.2019 - 29.02.2020 | 1.622 € | 811 € | 357 € | |
ab 01.03.2020 | 1.639 € | 820 € | 361 € | |
Zu den „sonstigen Umzugskosten“ gehören u.a.:
Renovierung der alten Wohnung, Schönheitsreparaturen in der alten Wohnung, Ummeldung PKW, Änderung Personalausweis, Einbau von Küche und anderen elektrischen Geräten, fachgerechtes Anbringen von Lampen, Änderung von Vorhängen, Trinkgelder.
Sollten die einzelnen Kosten für die genannten Leistungen höher sein als die Pauschale, können die tatsächlichen Kosten geltend gemacht werden.
Sollten Sie innerhalb von fünf Jahren mehrmals aus beruflichen Gründen umziehen, erhöht sich die Pauschale um 50%.
Über Einzelnachweise sind insbesondere die folgenden Kosten abziehbar:
• Kosten für das Umzugsunternehmen
• Maklergebühren für Mietwohnung
• Doppelte Mietzahlungen, falls die alte Wohnung z.B. nicht sofort gekündigt werden kann
• Kosten für einen Kochherd bis zu 230 € und Öfen bis zu 164 €
• 30 Cent pro Kilometer Fahrtkosten zu Wohnungsbesichtigungen und für den Tag des Umzugs
Entstehen durch den Umzug Nachhilfekosten für Ihre Kinder, sind diese auch in bestimmten Grenzen abzugsfähig:
Endet der Umzug ab dem 1. April 2019, gilt ein Höchstbetrag von 2.045 €, ab dem 1. März 2020 sind es 2.066 €. Erstattungsfähig ist die Hälfte des Höchstbetrags. Übersteigen die Umzugskosten diese Beträge (1.022,50 € / 1.033 €), können vom übersteigenden Betrag bis zu 75% bis zum Höchstbetrag abgesetzt werden.
Beispiel:
Kosten für Nachhilfe 5.000 € (Umzug beendet am 1. August 2019)
50% des Höchstbetrags: 1.022,50 €
Restbetrag: 3.977,50 €
Vom Restbetrag 75%: 2.983,13 €
Abzugsfähige Umzugskosten: 1.022,50 € + 2.983,13 € = 4.005,63 €, aber maximal Höchstbetrag 2.045 €; somit 2.045 € absetzbar
3. Doppelte Haushaltsführung
Wer aus beruflichen Gründen einen zweiten Haushalt an seinem Beschäftigungsort unterhält, kann diese Kosten als Werbungskosten geltend machen.
Es gelten die folgenden Voraussetzungen, die alle erfüllt sein müssen, damit die doppelte Haushaltsführung durch das Finanzamt anerkannt wird:
• Der zweite Haushalt wird aus beruflichen Gründen benötigt
• Der Haushalt wird in der Nähe Ihres Beschäftigungsorts begründet; es ist erforderlich, dass Sie Ihren Arbeitsplatz durch den neuen Haushalt schneller erreichen (tägliches Pendeln vom eigentlichen Haushalt muss unzumutbar sein)
• Es wird ein eigener Hausstand am Hauptwohnsitz beibehalten; dies kann dann angenommen werden, wenn Sie sich mit mehr als 10% an den laufenden Kosten des Hausstands beteiligen
• Sie haben Ihren Lebensmittelpunkt weiterhin am Hauptwohnsitz
Werden diese Voraussetzungen erfüllt, können insbesondere die folgenden Kosten abgesetzt werden:
• Umzugskosten zur Begründung des neuen Hausstands
• Kosten der Zweitwohnung bis zu 1.000 € pro Monat, insb. Miete, Nebenkosten, Stellplatz, Rundfunkbeitrag, Zweitwohnungssteuer
• Notwendige Kosten für Einrichtung und Hausrat
• Fahrtkosten für Familienheimfahrten, sowie für die Begründung und Beendigung der doppelten Haushaltsführung
• Verpflegungsmehraufwendungen innerhalb der ersten drei Monate nach Begründung des zweiten Hausstands
Wird die doppelte Haushaltsführung für mindestens vier Wochen unterbrochen, beginnt die Frist für die Verpflegungsmehraufwendungen erneut zu laufen. Der Grund der Unterbrechung ist dabei unerheblich. Waren Sie zwei Wochen krank und haben Sie anschließend zwei Wochen Urlaub, können Sie erneut für drei Monate Verpflegungsmehraufwendungen geltend machen.
4. Winterbeschäftigungsumlage
Die Winterbeschäftigungsumlage ist ein Posten, der bei den Werbungskosten oft übersehen wird.
Wenn Sie im Bauhauptgewerbe, Gerüstbauerhandwerk, Dachdeckerhandwerk oder Garten- und Landschaftsbau als Arbeitnehmer beschäftigt sind, zahlen Sie Arbeitnehmeranteile zur Winterbeschäftigungsumlage.
Auf Ihrer Jahreslohnsteuerbescheinigung sind die gezahlten Anteile regelmäßig unter „Raum für weitere Angaben“ zu finden.
Die Beträge können in der Anlage N unter „weitere Werbungskosten“ eingetragen werden.
5. Studienkosten
Studienkosten können in der Steuererklärung entweder als Sonderausgaben bis zu einer Grenze von 6.000 € oder unbegrenzt als Werbungskosten geltend gemacht werden.
Ob die Kosten als Sonderausgaben oder Werbungskosten geltend gemacht werden können, hängt davon ab, ob es sich um ein Erststudium (dann Sonderausgaben) oder ein Zweitstudium (dann Werbungskosten) handelt.
Unter den Abzug als Werbungskosten fallen außerdem die folgenden Gruppen:
• Doktoranden
• Masterstudenten
• Berufsbegleitendes Studium
• Erststudium nach abgeschlossener Berufsausbildung
Der Werbungskostenabzug ist gegenüber dem Sonderausgabenabzug günstiger, da erstens die Kosten unbegrenzt geltend gemacht werden können und es bei den Werbungskosten die Möglichkeit des sog. Verlustvortrags oder -rücktrags gibt. Dieser entsteht, wenn es mehr Werbungskosten als Einnahmen innerhalb eines Jahres gibt. Der entstehende Verlust kann dann in die folgenden Jahre übertragen werden oder in frühere Jahre zurückgetragen werden.
Ein Sonderausgabenabzug kommt nur zum Tragen, wenn es im Jahr der Ausgaben weitere steuerpflichtige Einkünfte über dem Grundfreibetrag (9.168 € in 2019) gibt. Ansonsten geht der Sonderausgabenabzug ins Leere. Eine Übertragung des Sonderausgabenabzugs in folgende Jahre ist nicht möglich.
Sollte ein Werbungskostenabzug möglich sein, können u.a. die folgenden Kosten berücksichtigt werden:
• Studiengebühren
• Kurs- und Prüfungsgebühren
• Fachliteratur
• Aufwendungen für Büromaterialien
• PC oder Laptop (anteilig)
• Fahrtkosten zur Universität, da diese als erste Tätigkeitsstätte gilt
• Zinsen für Studienkredite
• Unterkunftskosten, sofern doppelte Haushaltsführung vorliegt (s. oben)
Ein Verlustvortrag wird immer sofort mit Einnahmen verrechnet. Dies kann dazu führen, dass auch ein Verlustvortrag keine steuerlichen Auswirkungen hat.
Beispiel:
In 2018 wurden Werbungskosten in Höhe von 4.000 € generiert. Einnahmen gab es keine. Das Finanzamt erstellt einen Bescheid, in dem 4.000 € als Verlustvortrag festgehalten werden. In 2019 entstehen Werbungskosten in Höhe von 2.000 €. Gleichzeitig wird z.B. ab September eine Tätigkeit aufgenommen, aus denen sich Einnahmen in Höhe von 9.000 € ergeben.
Die gesammelten Werbungskosten in Höhe von insgesamt 6.000 € werden mit den Einnahmen in Höhe von 9.000 € verrechnet. Da die Einnahmen unter dem Grundfreibetrag lagen, wäre in jedem Fall keine Steuer zu zahlen gewesen. Da die Werbungskosten trotzdem verrechnet werden, haben sich die Werbungskosten steuerlich nicht ausgewirkt.
Mit Beschluss vom 19. November 2019 hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass Aufwendungen für ein Erststudium oder eine erstmalige Berufsausbildung nicht als Werbungskosten abgesetzt werden können.
6. Krankheitskosten
Selbst getragene Kosten für Krankheiten können im Rahmen der sog. außergewöhnlichen Belastungen berücksichtigt werden. Als Krankheitskosten gilt grundsätzlich alles was zum Zwecke der Heilung oder Linderung einer Krankheit aufgewendet wird. Kosten für vorbeugende Maßnahmen werden nicht anerkannt.
Als Krankheitskosten gelten insbesondere:
• Arztkosten
• rezeptpflichtige Medikamente mit ärztlicher Verordnung,
• nicht rezeptpflichtige Medikamente mit ärztlicher Verordnung,
• sog. Hilfsmittel wie Brille, Zahnersatz, Hörgeräte,
• Massagen (amtsärztliches Attest erforderlich),
• Pflegekosten für einen Verwandten im Altersheim (nur wenn der Verwandte krankheitsbedingt ins Altersheim musste),
Fahrtkosten zu Behandlungen können pauschal mit 0,30 Euro pro Kilometer berücksichtigt werden.
Die genannten Krankheitskosten können nicht ab dem ersten Euro abgesetzt werden, sondern erst, wenn eine sog. zumutbare Belastung überschritten wird.
Die zumutbare Belastung ist individuell zu bestimmen. Sie bemisst sich nach einem Prozentsatz, der auf den Gesamtbetrag der Einkünfte angewendet wird. Der Gesamtbetrag der Einkünfte wird dabei nochmal in drei Einkunftsstufen unterteilt. Außerdem wird nach Familienstand und der Anzahl der Kinder differenziert.
Beispiel:
ledig, unverheiratet, keine Kinder, Gesamtbetrag der Einkünfte 55.000 €
5% von 15.340 = 767 €
6% von 35.790 = 2.147,40 €
7% von 3.870 = 270,90 €
Die zumutbare Belastung beträgt 3.185,30 €
Da es bei den außergewöhnlichen Belastungen auf den Zeitpunkt der Zahlung der Belastung ankommt, kann es zielführend sein, die Kosten in einem Jahr zu bündeln, um die zumutbare Belastung zu übersteigen.
Weiterführung des Beispiels:
• Arztrechnung vom 19.12.2019 über 3.000 €, in 2019 keine weiteren Kosten
• Für 2020 sind eine neue Brillenanschaffung und Kosten für Zahnersatz geplant
Wenn die Arztrechnung in 2019 gezahlt wird, wird die zumutbare Belastung nicht überschritten. Die Kosten wirken sich in der Einkommensteuererklärung nicht aus. Wird die Rechnung erst in 2020 gezahlt und kommen noch weitere Kosten hinzu (Brille und Zahnersatz), wird die Grenze in 2020 voraussichtlich überschritten, sofern es keine Veränderungen beim Gesamtbetrag der Einkünfte gibt.
7. Haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen
In Ihrer Steuererklärung können Sie sowohl Kosten für haushaltsnahe Dienstleistungen als auch für Handwerkerleistungen angeben.
Haushaltsnahe Dienstleistungen können in Höhe von bis zu 20.000 € geltend gemacht werden. Die Steuerschuld wird dabei maximal um 4.000 € gemindert werden (20% von 20.000 €).
Handwerkerleistungen können In Höhe von bis zu 6.000 € geltend gemacht werden. Die Steuerschuld wird dabei um maximal 1.200 € gemindert werden (20% von 6.000 €).
Das Bundesfinanzministerium hat für eine große Zahl an Maßnahmen eine Liste herausgegeben, aus der man entnehmen kann, ob die Maßnahme überhaupt begünstigt ist und ob sie als haushaltsnahe Dienstleistung oder Handwerkerleistung zu qualifizieren ist (vgl. BMF v. 09.11.2016 – IV C 8 – S 2296 b/07/10003 :008 BStBl 2016 I S. 1213, dort Anlage 1).
Wichtig ist, dass Sie eine Rechnung erhalten aus denen sich Lohn- und Fahrtkosten ergeben. Denn nur diese können berücksichtigt werden. Materialkosten werden nicht berücksichtigt.
Die Rechnung darf nicht bar bezahlt werden.
Ein Punkt, der nach unserer Erfahrung oft übersehen wird, sind Nebenkostenabrechnungen. Wenn Sie in einer Mietwohnung leben und in der Nebenkostenabrechnung haushaltsnahe Dienstleistungen oder Handwerkerleistungen auf Sie umgelegt werden, können Sie diese im Rahmen der Einkommensteuererklärung als solche absetzen.
Für die Berücksichtigung kommt es auf den Zeitpunkt der Zahlung an. Haben sie eine Rechnung aus dem Dezember 2019 erst im Februar 2020 gezahlt, wird diese erst in der Einkommensteuererklärung für 2020 berücksichtigt. Eine Zahlung im Folgejahr kann daher, wenn z.B. in einem Jahr die Höchstbeträge bereits ausgereizt sind, ein wirksames Mittel sein, um die Steuerersparnis zu sichern.
8. Kinderbetreuungskosten
Kinderbetreuungskosten können als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Von den angefallenen Kosten werden zwei Drittel bis zu einem Höchstbetrag von 4.000 € im Jahr je Kind berücksichtigt.
Das Kind darf außer bei einer Behinderung das 14. Lebensjahr nicht überschritten haben und muss zu Ihrem Haushalt gehören.
Nicht abzugsfähig sind Kosten für Nachhilfe, Sport, Freizeit und Verpflegung.
Unter Verpflegung gehört u.a. auch das „Essensgeld“ im Kindergarten. Achten Sie daher bei den Rechnungen der entsprechenden Anbieter darauf, dass das Essensgeld entweder separat ausgewiesen ist oder explizit bescheinigt ist.
Zu den abzugsfähigen Kosten zählen u.a.:
• Kindergarten, Kindertagesstätte, Kinderhort, Kinderkrippe und auch bei Tagesmüttern, Wochenmüttern und in Ganztagspflegestellen
• Babysitter
• Hausaufgabenhilfe
• Ferienspiele
• Au-Pair
Wird ein Au-Pair beschäftigt, kann aus Vereinfachungsgründen die Hälfte der Kosten als Kinderbetreuungskosten angesetzt werden. Die andere Hälfte wird für Tätigkeiten im Haushalt angesetzt. Ergibt sich tatsächlich eine andere Aufteilung, müsste sich dies aus einem Vertrag ergeben und nachweisen lassen. Kosten, die nicht auf Kinderbetreuung entfallen, können als haushaltsnahe Dienstleitungen gelten gemacht werden.
Wichtig ist, dass Sie für die genannten Dienstleistungen eine Rechnung erhalten und den Betrag per Überweisung bezahlen. Für Beiträge zum Kindergarten etc. ist eine entsprechende Bescheinigung des Trägers der Einrichtung ausreichend.
Ihr Ansprechpartner:
Jan Schrei
Rechtsanwalt (Syndikusrechtsanwalt)
Fachanwalt für Steuerrecht
Wirtschaftsjurist (Univ. Bayreuth)
Ihr Ansprechpartner:
Tim Schrei
Steuerberater
M.Sc. Internationales Steuerrecht